Eine öffentliche Organisation kann ihre Arbeit nicht allein daran beurteilen, ob sie wirtschaftlich arbeitet. Eine NPO ebenso wenig. Beide müssen erklären können, welchen gesellschaftlichen Beitrag sie leisten, für wen dieser wertvoll ist und wie er zustande kommt. Hier setzt die Frage nach Public Value an.
Drei Perspektiven auf ein Vorhaben
Mark Moores Ansatz des strategischen Dreiecks verbindet den angestrebten öffentlichen Wert mit Legitimation und Unterstützung sowie der operativen Fähigkeit zur Umsetzung. Diese drei Perspektiven helfen, ein Vorhaben über seine gute Absicht hinaus zu prüfen. Eine Einführung bietet die Harvard Kennedy School zu Public Value und strategischem Management.
Für eine praktische Klärung lassen sie sich in Fragen übersetzen: Was soll für Menschen besser werden? Wer trägt und legitimiert dieses Vorhaben? Und kann die Organisation es mit ihren Mitteln verlässlich leisten?
Ein Beispiel aus einer öffentlichen Fachstelle
Angenommen, eine Fachstelle möchte eine offene Anlaufstelle für Freiwilligenarbeit aufbauen. Das ist ein erfundenes Beispiel. Der erwartete Nutzen könnte darin liegen, dass Menschen leichter ein passendes Engagement finden und Vereine bessere Unterstützung erhalten.
Damit ist der Auftrag noch nicht geklärt. Die Fachstelle müsste auch prüfen, wie bestehende Vereine eingebunden werden, welche politische Unterstützung vorhanden ist und wer die Beratung dauerhaft übernimmt. Gute Nachfrage kann fehlende Zuständigkeiten nicht ausgleichen. Ein gesicherter Betrieb wiederum beantwortet noch nicht, ob das Angebot gebraucht wird.
Leistung ist ein Teil der Beurteilung
Die Zahl der Beratungsgespräche zeigt, was die Fachstelle geleistet hat. Rückmeldungen über zustande gekommene Engagements können Hinweise auf Veränderungen geben. Ob diese Veränderungen auf die neue Anlaufstelle zurückgehen, braucht eine zusätzliche Prüfung.
Ich würde deshalb im Bericht kenntlich machen, welche Zahlen Leistungen beschreiben, welche Veränderungen beobachtet wurden und wo die Erklärung noch auf Annahmen beruht. Auch unterschiedliche Bewertungen gehören hinein: Was für eine Zielgruppe hilfreich ist, kann eine andere wenig erreichen.
Was ein Gremium daraus entscheiden kann
Für die Entscheidung über eine Weiterführung helfen vier konkrete Punkte:
- Eine verständliche Aussage zum angestrebten gesellschaftlichen Beitrag.
- Rückmeldungen relevanter Anspruchsgruppen, einschliesslich kritischer Stimmen.
- Eine realistische Einschätzung von Aufwand, Verantwortung und Finanzierung.
- Offene Fragen, die vor einer Ausweitung geklärt werden sollten.
Public Value ist damit ein Denkrahmen für die strategische Auseinandersetzung. Er ersetzt weder einen politischen Entscheid noch eine sorgfältige Evaluation. Er hilft, Fragen zu stellen, die in einer reinen Leistungsstatistik leicht fehlen.
Meine Auseinandersetzung mit Public Management verbindet diese Perspektive mit der Untersuchung von Beziehungsmustern. Für einen konkreten Auftrag ist sie besonders bei strategischen Entscheidungsgrundlagen relevant.